Fragen zur Spiritualität

Liebe Freundinnen und Freunde des Yoga! 

In Saiva Siddhanta, dem südindischen Shivaismus, sind Kuh, Hirte und Seil eine zentrale Analogie, stehen jeweils für das eigene Selbst, die große Seele und die Sinne, mit denen wir mit der Außenwelt in Verbindung treten. Dieses Bild übt für uns, die mit der Tamilsprache und dem Shivaismus Südindiens vertraut sind, einen großen Einfluss auf das Bewusstsein. Heute sehe ich aus dem Balkon bei meiner fast 100-jährigen Mutter die Hirtin vorbei laufen, sie hat nicht das Seil in der Hand sondern ein Smartphone. Die Zeiten haben sich geändert! Und somit die Bildsprache auch.

In dieser Zeit aber, in der die Idee der Selbstliebe gefeiert und sogar als Voraussetzung für Nächstenliebe, Empathie oder die Lehre des Mitempfindens geadelt wird –  eben in der Zeit in der die Konsumwirtschaft des Kapitalismus die Eigenliebe voranstellt und dabei die Grundlagen jeder Spiritualität umkehrt -, ist es interessant, zu überlegen, was genau eine Spiritualität der Zukunft sein kann. Wenn dich das Thema interessiert, könnten diese Fragen und Antworten Dich anregen, hier weiter zu denken und neue Bilder zu entwickeln!

Was ist Spiritualität?
Die Antwort darauf zu suchen ist eine spirituelle Tätigkeit.
Ist Spiritualität nötig?
Sie hilft, Langeweile zu lindern und gibt dem Geborensein seinen Sinn.

Wer ist ein Lehrer?
Klarheit ist ewig und transportiert sich selbst; allerdings kann ein Lehrer eine Verbindung zu dieser Klarheit sein.
Brauchen wir einen Lehrer?
Man kann Fähigkeiten nur mit Hilfe mitfühlender Begleitung erlernen.

Gibt es einen Weg?
Mit Leiden, Unzufriedenheit und einer tiefen Sehnsucht nach Veränderung offenbart sich ein Weg.
Brauchen wir einen Weg?
Ja, er beendet Unentschlossenheit und gibt unseren Handlungen eine Richtung.

Gibt es das Böse?
Der Böse-wicht in uns kennt die Antwort am besten.
Wie gehen wir am besten mit diesem Bösen um?
Indem wir die angeborene Selbstbezogenheit anpacken.

Ist Liebe wichtig?
Liebe ist da und hält die Dinge zusammen, unabhängig von der Anerkennung, die wir ihr geben.
Brauchen wir Liebe?
Ja, denn wenn ich verzweifle, beginne ich zu hassen.

Anjali und ich sind in den südindischen Bergen bei unserem Projekt BASE. Wie jedes Jahr gibt es für uns viel, sehr viel zu tun. Diesmal ist unser Hauptarbeiter, quasi Chef schwer erkrankt und kann vorerst mal nicht kommen. Wir haben ein ganz neues Arbeiterteam gefunden, und hoffen es wird gut mit ihnen funktionieren. Sie sind besser gebildet, sprechen etwas Englisch und können so auch in unserer Abwesenheit Gäste oder Praktikanten  empfangen. Damit hoffen wir, von nun an unser Projekt auf eine andere Ebene führen zu können. (Lest hierzu bitte auch Anjalis Blogpost).

Die Website des Yogaweg wird erneuert mit einer erfrischten aktuellen Liste der aktiven Yogalehrenden in der Linie des Yogawegs. Da habe ich den Spaß gehabt, in der Ruhe hier in Indien etwa 500 E-Mails zu lesen/schreiben. Dafür ist diese seit Jahren vertagte Arbeit fast beendet!

Mit guten Wünschen!

Sriram