Mystik mit Pragmatismus

Liebe Freundinnen und Freunde des Yoga!

Yoga ist Mystik, aber mit Pragmatismus. Es ist die Besonderheit bei Yoga, dass er diese beiden zusammenbringt. Die Mystik verlangt Tiefgang, der Pragmatismus Klarheit. Um zu Yoga hinein zu dringen, sollten wir beides anstreben.

Die Ideen hinter der Entstehung von Religionen und Nationen war jeweils, die Mystik und den Pragmatismus zu vertreten und zu entwickeln – bis sie sich beide eigenmächtig entwickelten. Wenn wir heute auf die Welt schauen, es sind genau diese Beiden, die Kriege verursachen und die Verblendung vermehren.

Zu glauben, dass hier der Yoga helfen kann, wäre zu einfach. Denn Yoga selbst ist sehr von beiden beeinflusst.

Die Idee, sich meditativ mit der Schöpfung zu verschmelzen, ist ein tiefes Anliegen des Yoga und mystisch auch. Religion wird dann immer zur Störung und eine Gefahr, wenn die mystische Idee kaum eine Rolle spielt.

Die Idee, das was vor uns liegt, frei von überlagerten Ideen, und klar zu sehen ist ein anderes zentrales Anliegen des Yoga – und pragmatisch auch. Die Nationen bauen sich auf um Macht zu behalten oder Ideologien durchzusetzen und opfern dabei gerne den Pragmatismus.

Wenn wir den Yoga als Selbstzweck üben um den Körper fit und fähig zu halten – und nebenbei auch den Geist -, verliert sich hier beides. Mystik wird mit Frömmigkeit und Pragmatismus mit Anpassungsfähigkeit jeweils vorgespielt.

Also wie können wir mit unseren Yogamitteln diese beiden Ansprüche in einer Balance halten, bei der sie beide nicht vereinfacht oder verwaschen werden?

Ein einfacher Ansatz für die mystische Note ist – wie bei vielen vedischen Textstellen -, die Teile des eigenen Leib und Geist durch deren Hinwendung mit einzelnen kosmischen Elementen zu verweben.

Da wir Individuen in einer Abhängigkeit vom Umfeld leben, wird es eine tägliche Reflexion über Pragmatismus, wenn wir bei den Yogaübungen die Wahrnehmung stringent im eigenen Leib verankern und den Blick auf ein uneingeschränktes Außen führen.

In den letzten Wochen haben wir uns von zwei Menschen verabschieden müssen, die viele von Euch Yogaweg Mitglieder kennen durften:

Padmini Ranganathan spielte schon mit 8 Jahren in meinen Yogastunden für Kinder in KYM. Sie wurde Ayurveda Ärztin und hat viele brillante Seminare, in Deutschland, später in Indien auch, zuerst mit mir und später alleine, gehalten. Sie war scharfsinnig und mystisch geneigt und konnte einem(r) mit großer Sorgfalt zuhören. Diabetes, Bluthochdruck und exzessive Blutungen plagten sie, als sie vor zwei Wochen mit 51 plötzlich zuhause umkippte und starb.

Christel Bremer kam zu mir im Einzelunterricht zu Yoga in 1992 als ich noch in Stuttgart lebte. Als Ärztin arbeitete sie mit Neugeborenen im Krankenhaus. Sie war der Übung von Zen und Yoga sehr hingegeben. Nie fiel aus ihrem Mund negative Worte und immer lächelnd begegnete sie Menschen. Liebenswürdig und unaufdringlich war sie immer. Nach längerer Krebserkrankung verabschiedet sie sich – etwa 77-jährig – vor 6 Wochen in einer palliativen Station in ihrer norddeutschen Heimat.

Da wir nicht einmal wissen, wo und bei wem und wie lange wir nächtlich im Tiefschlaf waren, außer dass wir irgendwo bei etwas Vertrautes waren, dass es uns hinterher selig zumute war: Wie können wir je wissen, wo wir hingleiten werden, wenn wir uns eines Tages verabschieden müssen? Wenn dieses Mysterium nicht Grund genug dafür ist, dass wir das Am Leben Sein respektieren und huldigen!

Ich wünsche Euch eine schöne Sommerzeit,

Sriram